Autos und Fahrräder!

Klar das Thema ist nicht neu. Autofahrer und Radfahrer. Irgendwie hat das noch nie so richtig zusammengepasst. Das ist auch klar, denn es ist ja ein ungleiches Duell. Wobei Duell der völlig falsche Ansatz ist. Es ist ja eigentlich mehr eine WG. Eine Straßen WG. Eine Straßen-Zweck-WG. Denn es wird sich ja auf absehbare Zeit nichts daran ändern, das sich Radfahrer und Autofahrer die selben Straßen teilen. Und doch oder gerade deswegen wird gegenseitig geschimpft, gemeckert und manchmal leider auch mehr.

Im Moment liest man überall von dem “Kampf” zwischen Radlern und Autos. Ich persönlich finde Kampf ein bisschen sehr hart. Es ist vielleicht ein Konflikt, aber gleich ein Kampf?

Generell ist das Phänomen ein reines Großstadtproblem. Und das wahrscheinlich, weil sich Radfahrer und Autofahrer hier einfach viel häufiger begegnen. Es gibt täglich Millionen von Berührungspunkten. Auf dem Land ist einfach mehr Platz. Da gibt es ganz andere Schwierigkeiten. Ich persönlich muss zugeben, dass ich derzeit mehr Auto fahre als Rad. Dennoch würde ich von mir behaupten, dass ich mich gut in die Lage von Radfahrern versetzen kann. Ständig muss man kucken, dass man nicht einfach über den Haufen gefahren wird. Jede Kreuzung, jede Ausfahrt, jedes Abbiegen kann eine böse Überraschung bereit halten. Das hat teilweise ganz natürliche Gründe. Denn Radfahrer sind einfach schlechter zu sehen. Sie werden also häufiger übersehen. Zudem kann deren Geschwindigkeit leicht unterschätz werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn manch Autofahrer sie unbewusst eher den Fußgängern zuordnet als anderen Verkehrmitteln.

Da ich mir also bewusst bin wie es sich als Radfahrer anfühlen muss, versuche ich besonders auf sie zu achten. Und vor allem sie eben auch zu achten. Sie zu respektieren. Als echte Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen. Aber genau da entsteht das Problem. Die Radfahrer selbst sehen sich offenbar nicht als echte gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Denn für sie scheinen nicht nur andere Regeln zu gelten, sondern auch anderen Formen des Umgangs miteinander.

Ich bin viel in den Innenstadtbezirken von Berlin unterwegs. Hier gibt es unzählige kleine Straßen auf denen auf beiden Seiten dicht an dicht Autos parken und es nur eine Spur für Auto gibt. Kommen sich zwei Autos entgegen, muss man zusehen eine Lücke zu finden oder schon so vorausschauend fahren, dass man noch an der davor liegenden Querstraße wartet. Viele dieser Straße sind sogar zu eng, wenn einem ein Radfahrer entgegenkommt. Daher kommt es vor, dass ich auch mal auf einen Radfahrer warte. Doch dann kommt auch schon gleich ein Unterschied zu Autofahrern zu Tage. Radfahrer bedanken sich nicht. In den letzten drei Jahren, haben sich genau zwei Radfahrer fürs Vorbeigelassenwerden bedankt. Und ich mache das im Schnitt bestimmt einmal am Tag. Klar auch nicht alle Autofahrer bedanken sich immer. Aber doch zumindest mehr als die Hälfte. Selbst Berliner Berufskraftfahrer, die bestimmt nicht immer wegen ihrer besonders herzlichen Art geliebt werden, bedanken sich noch tausendmal öfter als Radfahrer.

Zugegeben das ist nun wirklich etwas ganz besonderes aber es zeigt für mich, wo das Problem anfängt. Viel schlimmer und zum teil wirklich ist es einfach, weil sich viele Radfahrer einfach nicht an die offiziellen Regeln halten. Meine absoluten Favourites:

- Auf einer Kreuzung zwischen Straße, den Spuren, dem Radweg und dem Fußweg wechseln wie es Spaß macht –> Kein Wunder, wenn da einer übersehen wird, man weiß ja auch nie aus welcher Richtung sie als nächstes kommen.

- Auf einer Hauptstraße zu dritt nebeneinander fahren. Dauerhaft. –> Was passiert wohl wenn ich zu Dritt auf dem Radweg laufe?

- Falschrum in der Einbahnstraße fahren, nur weil man mal gelesen hat, das darf man jetzt. –> Kleine Anmerkung: Das geht nur an speziell ausgewiesenen Straßen.

- Ohne Ankündigung und ohne den Verkehr zu beachten in den fließenden Verkehr abbiegen. –> Ohne Worte!

Besonders verwunderlich ist es doch: Die meisten Radfahrer sind doch auch Autofahrer und umgekehrt. EIgentlich müssten doch dann die meisten wissen wie sich der jeweils andere fühlt. Ich kann mir nur zu gut vorstellen, dass Autofahrer X unter der Woche über jeden zweiten Radfahrer in Berlin Mitte schimpft und am Wochenende mit seinem Trecking-Bike mit dem Handy am Ohr bei Rot über die Ampel fährt, ohne sich jeglicher Schuld bewusst zu sein. Das ist das eigentlich paradoxe.

Natürlich gilt das alles nicht für alle Radfahrer. Es gibt sicherlich viele die wirklich umsichtig und entsprechend der Straßenverkehrsordnung unterwegs sind. Aber diese Gruppe scheint immer kleiner zu werden. Bestimmt kann man auch behaupten, dass in Deutschland so manche Dinge überreguliert sind. Ich meine ja die Deutschen wollen das gar nicht anders, aber das spielt auch keine Rolle. Denn so lange diese Regeln existieren, rechnet der geneigte Autofahrer einfach damit, dass sich im Normalfall auch daran gehalten wird. Wenn ich wüsste, dass es keine Regeln für Fahrräder gibt, würde ich sicherlich ganz anders Auto fahren.

An alle vorbildlichen Radfahrer: Das ist hier keine Pauschalkritik. Und ich weiß, dass der Radfahreralltag wahrlich nicht leicht ist. Und es gibt auch eine Menge Menschen, die besser kein Auto bewegen sollten. Aber denen kann man ja auch den Führerschein wegnehmen. Bei Radfahrern wird das schwer. Vielleicht ist auch das der Grund warum die Gruppe der rücksichtslosen Radfahrer zuzunehmen scheint. Sie haben ja nichts zu befürchten.

Daher bin ich absoluter Befürworter des Kennzeichens für Radfahrer. Wer Gleichberechtigung will, muss leider auch die damit verbundenen Pflichten akzeptieren.

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